Moderne Wundbehandlung bei systemischer Sklerose

Prof. Dr. med. Joachim Dissemond
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstrasse 55
45122 Essen
www.uk-essen.de/hautklinik

Prof. Dr. med. Joachim DissemondDie Wundheilung ist ein sehr komplexes Geschehen, dass von vielen Faktoren beeinflusst wird und daher sehr unterschiedlich lang dauern kann. Eine gestörte Wundheilung ist immer die Folge von gestörten Vorgängen im Körper. Daher sollten zu Beginn einer Wundtherapie auch immer die Ursachen diagnostiziert und sofern möglich beseitigt oder zumindest therapiert werden. Die systemische Sklerose (SSc) ist eine seltene Autoimmunerkrankung, die zu einer Fibrosklerose („Verhärtung“) der Haut, innerer Organe und Gefäßen führen kann.

Oft treten bei den Patienten problematische bzw. später auch chronische Wunden an den Fingerkuppen auf. Diese als digitale Ulzerationen bezeichneten Wunden, können oft mit kleinen Hautrissen beginnen, bis schließlich die meist sehr schmerzhaften, schlecht heilenden Geschwüre (Ulcus = Geschwür = tiefe Wunden, die mit Narben abheilen) auftreten. Auch Unterschenkelgeschwüre werden gehäuft bei Patienten mit systemischer Sklerose beschrieben. Diese können ursächlich durch kleine Verletzungen oder durch die Ablagerung von Kalk in der Haut entstehen. Wichtig ist es zu bedenken, dass bei Patienten mit SSc weitere Krankheiten vorliegen können, so dass es dann oft mehrere Ursachen für die schlecht heilenden Wunden gibt.

Wundverbände

Ein Grundprinzip der modernen Wundtherapie besteht aus der regelmäßigen Durchführung von Verbänden, die ein feuchtes Wundmilieu gewährleisten. Das Austrocknen von Wunden („da muss Luft dran“) wird heute nicht mehr propagiert. Die Verbandwechselintervalle müssen individuell festgelegt werden und können zwischen mehrfach täglich bis zu einmal pro Woche betragen.

Praktische Durchführung eines Wundverbandes
  • Fenster und Türen verschließen
  • Raumtemperatur anpassen
  • Abwurf für gebrauchte Materialien bereitstellen
  • Händedesinfektion
  • Wunde und Umgebung z. B. mit Ringerlösung reinigen
  • Falls notwendig - Desinfektion der Wunde
  • Flüssigkeiten möglichst körperwarm anwenden
  • Zügig arbeiten, Wunde nicht auskühlen lassen
  • Verband nur mit sterilen Einmalhandschuhen oder Pinzetten anfassen
  • Hautpflege und -schutz der umgebenden Haut
Nicht mehr zeitgemäße Wundtherapien

Als nicht mehr zeitgemäße Behandlung sind alle Wundtherapien zu sehen, die durch bessere Therapieoptionen ersetzt worden sind oder deren Nebenwirkungsspektrum den Einsatz im Rahmen einer modernen Wundtherapie nicht mehr rechtfertigt. Exemplarisch sollen einige oft eingesetzte Produktgruppen genannt werden:

  • Lokale Anwendungen von Antibiotika sind in der Wundbehandlung komplett entbehrlich geworden, da sie lediglich oberflächlich auf Bakterien wirken, hier die Ausbildung von Resistenzmechanismen fördern und auch zu Allergien führen können. Die systemische Gabe von Antibiotika ist allerdings bei dem Vorliegen einer systemischen bakteriellen Infektion, die z. B. zu Fieber oder Schüttelfrost führt weiterhin sinnvoll.
  • Farbstoff-Lösungen wie z. B. Gentianaviolett, Castellani-Rot, Brilliantgrün oder Pyoktanin können ebenso wie Kalium permanganat auch die für die Wundheilung wichtigen Zellen schädigen, trocknen Wunden aus und behindern durch die Färbung die Wundbeurteilung. Diese Lösungen werden weiterhin in der Behandlung von Fußpilz oder aufgeweichten Hautfaltenbereichen eingesetzt. In der Behandlung von chronischen Wunden sollten sie nicht mehr verwendet werden.
  • Leitungswasser darf entsprechend dem deutschen Infektionsschutzgesetz und den aktuellen Hygieneempfehlungen für die Wundbehandlung nicht verwendet werden. Der Einsatz ist nur dann statthaft, wenn das Leitungswasser mit Filtern mit einer Porengröße von maximal 0,2µm filtriert wird. Diese in Sanitätshäusern erhältlichen Sterilfilter können auf Duschköpfen oder Wasserhähnen installiert werden.
  • Puder trocknen Wunden aus und behindern die Neubildung von Wundgewebe. Zudem lassen sich die Rückstände nur schwer entfernen. Daher sollten chronische Wunden nicht mit Pudern behandelt werden.
  • Sogenannte Wund- und Heilsalben behindern durch die meist sehr fettigen Grundlagen den freien Wundsekretab fluss und können bakterielle Infektionen begünstigen. Zudem können viele der Inhaltsstoffe zu Allergien führen. Diese Produkte können oft gut für Alltagswunden und/oder trockene und rissige Haut verwendet werden. In der Behandlung von chronischen Wunden sollten sie nicht eingesetzt werden.
  • Verbandmaterialien wie Verbandmull, Kompressen, Pflastern mit Baumwolle oder nicht-beschichtete Gazen sollten nie direkt auf Wundoberflächen gebracht werden, da sie dann verkleben können. Die Entfernung dieser Produkte führt oft zu großen Schmerzen und zu einer unnötigen Verletzung der Wundoberfläche.
  • Als „Geheimtipp“ werden immer wieder Produkte auf Wunden aufgetragen, die hierfür nicht zugelassen sind. Neben der meist nicht gegeben Wirksamkeit, droht hier eine aktive Patientengefährdung. Beispiele sind Insulin, Inhaltsstoffe aus Medikamentenkapseln, Weißkohlblätter, Zucker, Waffenöl, Zitronensaft, Schmierseife, Teebaumöl, Aloe Vera, Essig, Gerbstoffe, Teerprodukte, Quark oder Heilerde. All diese Substanzen sollen nicht eingesetzt werden.

Tipps zur Haut- und Wundpflege

  • Aufgeweichte Wundränder (Mazeration) stellen sich weißlich dar und können therapeutisch mit weicher Zinkpaste abgedeckt werden. Allerdings lässt sich dann der Wundrand nur erschwert beurteilen und Verbände können eventuell schlechter fixiert werden. Als unproblematischere Alternative stehen hier transparente Präparate mit Polyacryla ten (z. B. Cavilon Lolly) zur Verfügung, die möglichst auch schon dem Auftreten von Hautproblemen in der Wundum gebung aufgetragen werden sollten.
  • Sehr trockene Haut sollte mindestens 2 x täglich mit Salben, die 5-10% Harnstoff (Urea) enthalten, behandelt werden. Es ist bekannt, dass Patienten mit chronischen Wunden vermehrt zu Allergien neigen. Bei dem Auftreten von Ekzemen ist daher die Vorstellung bei einem Hautarzt und eine allergologische Testung anzustreben. Generell ist zu empfehlen, dass möglichst wenige und möglichst hypoallergene Substanzen für eine Hautpflege verwendet werden sollten. Besonders problematisch gestaltet sich der Einsatz von Produkten mit Naturstoffen wie z. B. Teebaumöl, Ringelblütenextrakten oder Melkfett, die generell bei Patienten mit chronischen Wunden gemieden werden sollten.

Fazit

Es ist immer notwendig die Ursache und eventuell weitere relevanten Begleitfaktoren für eine gestörte Wundheilung zu identifizieren. Bei Patienten mit SSc sind es insbesondere die Wunden an den Fingerkuppen, die zu erheblichen Beeinträchtigungen führen können. Wenn solche Wunden auftreten, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden und keine Behandlung mit „Hausmittelchen“ erfolgen, da sich rasch erhebliche Komplikationen wie beispielsweise Knochenhautentzündungen (Periostitis) ausbilden können. Eingebunden in ein Gesamtkonzept, möglichst mit systemischer Therapie wie z. B. Endothelin-Rezeptor-Antagonisten, kann die moderne Wundbehandlung helfen Komplikationen zu vermeiden und die Wundheilung zu fördern.

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